Bevor die Prototypen entstanden, also erste funktionierende Projektideen, stand ein 360°-Blick auf KI-Werkzeuge und rechtliche Rahmenbedingungen auf dem Programm. Auch die unausweichliche Frage kam auf, mit einem Augenzwinkern gestellt: „Wird die KI die Menschheit auslöschen?”
Die Sorge war schnell ausgeräumt. Gemeinsam mit den Trainer*innen richteten die Teilnehmenden den Blick auf die Chancen. Der Kenntnisstand in der Gruppe war unterschiedlich, die Herangehensweisen waren es auch. Das Ergebnis überraschte dennoch: Alle fanden einen passenden Prototyp für ihre Arbeit und setzten ihn um.
Die Bandbreite reichte von einem klickbaren App-Dummy bis zu einem variablen Quizformat. Die meisten arbeiteten mit Claude (Anthropic) oder ChatGPT (OpenAI). Viele stellten ihre nahezu fertigen Prototypen schon am Donnerstag vor. Ein beeindruckendes Ergebnis folgte auf das nächste. Die Gruppe nahm eine Erkenntnis mit: Aus einer ersten Idee wird innerhalb weniger Tage ein konkreter und nutzbarer Ansatz.
Spektakuläre Anwendungen standen dabei nicht im Mittelpunkt. Gefragt waren Lösungen für die eigene Praxis. Wie lassen sich Informationen für junge Menschen verständlicher aufbereiten? Wie können Projektteams bei der Planung entlastet werden? Und wie gelingt der Einsatz digitaler Werkzeuge, ohne den pädagogischen Anspruch aus den Augen zu verlieren?
Diese Fragen begleiteten das gesamte Training. Neben den technischen Möglichkeiten diskutierte die Gruppe intensiv über Datenschutz, Urheberrecht, Transparenz und den verantwortungsvollen Einsatz von KI. Schnell wurde klar: KI kann viele Aufgaben erleichtern. Gute Jugendarbeit ersetzen kann sie nicht.
Die Teilnehmenden verstanden KI als Werkzeug, das Fachkräfte unterstützt. Die Qualität der Ergebnisse hängt weiterhin von den Menschen ab. Sie nutzen die Systeme, stellen die richtigen Fragen und prüfen die erzeugten Inhalte kritisch.
„Nicht die KI verändert die Jugendarbeit – sondern die Entscheidungen, die wir über sie treffen. Oder nicht treffen.” (Aus der Präsentation im Training)
Nach fünf intensiven Tagen reisten die Teilnehmenden mit neuem Wissen über KI-Anwendungen ab. Im Gepäck hatten sie auch viele konkrete Ideen für ihre Organisationen, Projekte und Einrichtungen. Aus ersten Gedanken waren Prototypen geworden, aus Unsicherheit oft Neugier. Aus vielen einzelnen Fragen war ein gemeinsames Verständnis entstanden: So lässt sich der digitale Wandel in der Jugendarbeit aktiv gestalten.
Das Training zeigte: Die Programmpriorität „Digitaler Wandel” ist weit mehr als ein abstrakter Begriff im Jugend- und Sportbereich sowie im Europäischen Solidaritätskorps. Sie wird sichtbar, wo Fachkräfte neue Werkzeuge ausprobieren und Erfahrungen austauschen. Gemeinsam entwickeln sie Wege, junge Menschen auch in einer zunehmend digitalen Welt wirksam zu begleiten.