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Ungarische Sportexpert:innen zu Gast beim DTB: Was Kinderturnen zur Talententwicklung beitragen kann

© Max Wegen

Vom 28. bis 29. April 2026 besuchte eine Delegation der Hungarian School Sport Federation den Deutschen Turner-Bund in Frankfurt am Main. Im Rahmen eines Erasmus+ Sport Mobilitätsprojekts tauschten sich die Gäste über Strukturen und Netzwerke des Breitensports in Deutschland aus. Besonderes Interesse galt dem Kinderturnen und den Bundesjugendspielen als zentrale Bausteine einer nachhaltigen Talent- und Bewegungsförderung.

Die Deutsche Turnjugend vereint rund 2,4 Millionen Mitglieder unter 27 Jahren in ihren Vereinen. Sportartübergreifend sind es in Deutschland sogar mehr als zehn Millionen junge Menschen, die regelmäßig Sport im Verein treiben – überwiegend freiwillig und außerhalb des Schulbetriebs.

Was hierzulande selbstverständlich erscheint, ist in Ungarn bislang keine allgemeine Realität. Dort ist Breitensport in erster Linie Schulsport. Mit dem sogenannten „Everyday PE Concept“ (PE = Physical Education, Sportunterricht) wird körperliche Aktivität vor allem über fünf verpflichtende Sporteinheiten pro Woche im Schulalltag vermittelt. Darüber hinaus nehmen viele Kinder und Jugendliche in Ungarn ausschließlich im leistungsorientierten Sportbetrieb am organisierten Sport teil.

Für die ungarische Delegation stellte sich im Rahmen des Besuchs vor allem die Frage, wie Kinder und Jugendliche in Deutschland frühzeitig und langfristig für Bewegung begeistert werden können – unabhängig vom Leistungsgedanken. Besonders das Zusammenspiel von Schule, Vereinen und Verbänden sei dabei von Interesse.

Doch was unterscheidet Breitensport und Leistungssport eigentlich konkret – insbesondere im Hinblick auf die Ziele der sportlichen Aktivitäten?

Aus Sicht der Deutschen Turnjugend liegt der zentrale Unterschied zwischen Breiten- und Leistungssport weniger in der Intensität als vielmehr im Ziel der sportlichen Aktivitäten.

„Kinderturnen legt die motorischen, sozialen und emotionalen Grundlagen für ein aktives Leben. Es fördert Bewegungsvielfalt, Selbstvertrauen, Kreativität und soziale Kompetenzen schon im frühen Kindesalter.“

In Deutschland sind die meisten Vereine bewusst zweigleisig aufgestellt. Neben leistungsorientierten Angeboten bieten sie insbesondere im Breitensport einen ganzheitlichen Ansatz zur sportlichen Entwicklung. Kinder und Jugendliche lernen dabei, was Bewegung bedeutet, erfahren ihren eigenen Körper und bauen grundlegende motorische Fähigkeiten auf – oft bereits ab einem Alter von zwei Jahren.

Ein besonderer Fokus des fachlichen Austauschs lag auf den Formaten „Kinderturnen“, dem „kinder Joy of moving Tag des Kinderturnens“ sowie den Bundesjugendspielen. Die ungarischen Kolleg:innen zeigten sich insbesondere von der großen Zahl privater und vereinsgetragener Sportinitiativen in Deutschland beeindruckt. Diese Strukturen verstehen sie als wichtigen Impuls für den weiteren Ausbau vergleichbarer Angebote in Ungarn.

Im persönlichen Gespräch erläuterte ein Mitglied der Delegation, dass die ungarische School Sport Federation bereits seit vier Jahren Mobilitätsprojekte im Rahmen von Erasmus+ Sport innerhalb der Europäischen Union durchführt. Jeder Austausch liefere neue Impulse für die eigene Arbeit. Besonders prägend sei diesmal die Erkenntnis gewesen, dass Sport in Deutschland ganzheitlich gedacht wird: Breiten- und Leistungssport sind überwiegend in Vereinen organisiert, die als zentrale Basis einen gesunden, nachhaltigen Umgang mit Bewegung fördern.

Begegnungen wie diese sind für alle Beteiligten im Rahmen von Erasmus+ Sport von großer Bedeutung. Sie machen sichtbar, wie europäischer Austausch konkrete Wirkung entfalten kann – sowohl fachlich als auch gesellschaftlich. Eine Kernaussage brachte die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Turnerjugend, Kaddy Pechout, zum Abschluss des Besuchs treffend auf den Punkt:

„Sport zeigt jungen Menschen, wie Demokratie wirkt.“

Wir bedanken uns herzlich für den spannenden Austausch und die Möglichkeit, einen Einblick in die Wirkungskreise unserer Programme zu erhalten.

Sie möchten mehr über Erasmus+ Sport und Mobilitätsprojekte im Breitensport erfahren?
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