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Produkte und Aktivitäten in der Leitaktion 2: Worauf es wirklich ankommt

Gruppe von fröhlichen jungen Menschen, die sich angeregt austauschen
© Jacob Lund

Fortbildungsreihen entwickeln. Fachkräfteaustausch organisieren. Neue Methoden gemeinsam mit jungen Menschen testen: In Projekten der Leitaktion 2 von Erasmus+ Jugend (Kooperationspartnerschaften und Small-scale Partnerships) gibt es viele Gestaltungsmöglichkeiten. Doch welche Produkte und Aktivitäten sind am Ende wirklich sinnvoll? Und worauf kommt es bei der Antragstellung an?

Im dritten Teil unserer Interviewreihe zur Leitaktion 2 geht es um die Frage, welche Produkte und Aktivitäten wann und wie sinnvollerweise im Laufe eines Projektes entwickelt werden können. Das Team der Leitaktion 2 gibt praktische Hinweise – und erklärt, welche Fehler sich vermeiden lassen.

 

Warum sind Produkte und Aktivitäten in der Leitaktion 2 so wichtig?

Ihr habt euch für dieses Interview das Thema „Produkte und Aktivitäten“ vorgenommen. Warum?

Wir sehen in vielen Anträgen ähnliche Ideen, welche Produkte entwickelt und welche Aktivitäten organisiert werden sollen. Vorab: Diese Kontinuität ist völlig in Ordnung. 

Internationale Fortbildungen, Seminare, Studienreisen, Jobshadowings oder die Entwicklung von Handbüchern und Methoden können für eine Vielzahl von beantragenden Organisationen für ihre Organisationsentwicklung sinnvoll sein. 

Allerdings gibt es bei der Qualität der Planung und Umsetzung große Unterschiede.

 

Aktivitäten planen: Was gehört in einen guten Antrag?

Was fällt euch bei den geplanten Aktivitäten besonders auf?

Üblicherweise werden als Teil des Gesamt-Projekts Fachkräftemaßnahmen im Rahmen eines Entwicklungs-Vorhabens beantragt. Zu oft werden in den Anträgen die quantitativen Angaben nicht mitgeliefert bzw. bleiben zu allgemein. 

Zum Beispiel fehlen oft konkrete Angaben dazu, wie lange eine Aktivität dauert, wie viele Personen teilnehmen und was genau während der Aktivität inhaltlich und methodisch passieren soll. 

Auch ist die Zielgruppe sehr oft zu vage und unbestimmt skizziert: Handelt es sich um Personal der Partnerorganisationen? Werden Fachkräfte aus anderen Organisationen einbezogen? Oder ist es ein Mix aus Fachkräften und jungen Menschen? 

Dabei sind gerade diese Informationen sehr wichtig.

Warum sind diese Informationen notwendig?

In der Leitaktion 2 geht es um die Entwicklung der beteiligten Organisationen. Daher hat für uns die Teilnahme von deren haupt- oder ehrenamtlichem Personal klare Priorität. 

Wenn es Mitarbeitende aus den Partnerorganisationen sind, können die Teilnehmenden auch einfach benannt werden. Eine arbeitsintensive (und oft nicht zielführende) offene Ausschreibung der Teilnehmenden Plätze ist gar nicht notwendig. 

Dagegen fehlt es gerade bei einer Einbeziehung junger Menschen oder von Fachkräften außerhalb der Partnerorganisationen häufig an einer nachvollziehbaren Begründung, warum diese Personen für die jeweilige Aktivität wichtig sind. 

Aufgrund der Verbreitung können natürlich Fachkräfte anderer Träger der Jugendarbeit in Aktivitäten über die zur Verbreitung beliebten Multiplikationsveranstaltungen hinaus eingeladen werden. Bei einem Kooperationspartnerschaftsprojekt ist vermutlich ausreichend Budget dafür vorhanden.

 

Junge Menschen einbeziehen: Wann ist das sinnvoll?

Welche Rolle können junge Menschen in einem Projekt der Leitaktion 2 haben?

Grundsätzlich kann ihre Beteiligung an bestimmten Stellen im Projekt sinnvoll sein. Schließlich geht es bei Erasmus+ Jugend um die Weiterentwicklung der Jugendarbeit. Aber: Die Leitaktion 2 dient in erster Linie der Organisationsentwicklung. Die direkte Einbindung junger Menschen muss daher sinnvoll und gut begründet sein. 

Ein Beispiel sind Pilotierungen: Fachkräfte können im Projektverlauf erworbene neue Kompetenzen ausprobieren bzw. neu erlernte Methoden mit jungen Menschen testen.

Oder junge Menschen werden direkt zu Projektbeginn eingebunden und tragen in Fokusgruppen zur vertieften Bedarfsanalyse bei.

Wie sollte eine Einbeziehung erfolgen?

Dabei sind uns zwei Aspekte wichtig: In der Regel ist eine Pilotierung in lokalen Arbeitskontexten aller Partnerländer sinnvoller als in internationalen Jugendbegegnungen. Dort kann nur begrenzt ausprobiert werden, was nicht spezifisch für die Umsetzung von Jugendbegegnungen entwickelt wurde. 

Zum anderen: Weniger ist mehr. Eine sinnstiftend kleine Gruppe je Partnerland sollte ausreichen. 

Fokusgruppen oder Pilotierungen mit Hunderten junger Menschen bieten in der Regel keinen Mehrwert. Es kann vielmehr der Eindruck entstehen, dass über das Projekt die reguläre Arbeit der Organisationen mit jungen Menschen gefördert werden soll. Das ist nicht das Ziel der Leitaktion 2 und öfter ein Grund, warum Projektanträge abgelehnt werden.

 

Produkte entwickeln: Was macht ein gutes Projektergebnis aus?

Gibt es unterschiedliche Anforderungen an Kooperationspartnerschaften und Small-scale Partnerships?

Ja, sie betreffen die Erwartungshaltung.

Für beide Förderformate gilt aber grundsätzlich: Die geplanten Produkte müssen von den Partnerorganisationen selbst in ihrer regelmäßigen Arbeit mit jungen Menschen gebraucht und genutzt werden. Wenn dies nicht der Fall ist, hat ein solcher Antrag in der Regel nur eine niedrige Förderpriorität.

Muss bei Small-scale Partnerships überhaupt ein Produkt entwickelt werden?

Ganz klar: Nein. 

Anders als bei den Kooperationspartnerschaften wird bei Small-scale Partnerships gar nicht erwartet, dass Handbücher, Methodenkoffer, Fortbildungscurricula, Datenbänke, Politikempfehlungen, etc. erstellt werden. 

Bei dem begrenzten Budget reicht es aus, wenn sich das Personal der Partnerorganisationen zum Erfahrungsaustausch trifft; sie gemeinsame Fortbildungen durchführen, Studienaufenthalte oder Job-Shadowings organisieren. 

Es geht hierbei immer um eine Weiterentwicklung der beteiligten Organisationen.

Antragsteller müssen bei Small-scale Partnerships also keine “kleinen Kooperationspartnerschaften” mit umfangreichen Produktentwicklungen und einer breit angelegten Verbreitungsstrategie beantragen. 

Nur, wenn sie dann doch ein Produkt entwickeln wollen, dann gelten dieselben hohen qualitativen Maßstäbe wie für eine Produktentwicklung in einer Kooperationspartnerschaft.

 

Kooperationspartnerschaften: Wie sollte ein Produkt geplant werden?

Was ist bei der Entwicklung von Produkten in einer Kooperationspartnerschaft besonders wichtig?

Am Anfang steht die Frage nach dem Bedarf. Im Antrag sollte also nachvollziehbar dargelegt werden:

  • Weshalb decken bereits existierende Produkte oder Angebote den identifizierten Bedarf nicht ausreichend ab? 
  • Welchen konkreten Mehrwert bietet das neu zu entwickelnde Produkt? 

Diese Anforderungen haben wir in unserem Interview zum Thema Bedarfsanalyse ausführlich beschrieben.

Welche Überlegungen gehören noch in die Konzeptionsphase?

Wichtig ist, sich bereits in der Konzeptionsphase zu überlegen, für wen die entwickelten Produkte später relevant sein sollen und wie diese Zielgruppen sinnvoll erreicht werden können. 

Wenn beispielsweise ein Produkt später von Fachkräften der Jugendarbeit genutzt werden soll, ist es sinnvoll, diese Zielgruppe bereits während der Entwicklung einzubeziehen. So können ihre Erfahrungen und Bedarfe in das Produkt einfließen. 

Denn dass diese Produkte auch für Dritte nutzbar gemacht werden sollen, gehört zum Thema Wirkung - ebenfalls ein komplexeres Thema, das wir gerne zu einem späteren Zeitpunkt ansprechen möchten. Sinnvolle Verbreitungswege sollten daher auch schon vor der Antragstellung mitgedacht werden.

Welche Rolle spielt die Sprache bei der Produktentwicklung?

Damit die Produkte einer möglichst breiten Gruppe von Fachkräften zugänglich sind, sollten sie in der Regel mehrsprachig erstellt werden. Also, sowohl in den jeweiligen Partnersprachen wie auch in der gemeinsamen Arbeitssprache Englisch.

Das erleichtert die Verbreitung und hilft, dass Fachkräfte der Jugendarbeit die Produkte später in ihren jeweiligen lokalen Kontexten nutzen können.

 

E-Learning-Plattformen: Mehrwert kritisch prüfen 

Ein häufig beantragtes Produktformat sind umfangreiche E-Learning-Plattformen. Was ist dabei zu beachten?

Wir empfehlen, den Mehrwert wirklich kritisch zu prüfen. Sehr oft werden “E-Learning Plattformen” mit hohen Budgets geplant. Diese E-Learning Plattformen für junge Menschen oder Fachkräfte der Jugendarbeit umfassen in der Regel Nutzer*innenkonten, mehrsprachige Curricula, moderierte Foren und umfangreiche Dokumentsammlungen. 

Nach Projektende werden die Plattformen häufig nur begrenzt genutzt, während Betrieb, Pflege und Weiterentwicklung einen nicht unerheblichen zeitlichen und finanziellen Aufwand verursachen. 

Vor diesem Hintergrund sollte sorgfältig abgewogen werden, ob ein derart – auch nach Projektende - budget- und arbeitsintensives Produkt wirklich eine sinnvolle Investition darstellt und längerfristig einen Beitrag zur Organisationsentwicklung der Partnerorganisationen leistet. 

Was wären Alternativen?

Oft erfüllen einfach umzusetzende und kostengünstige Lösungen den gleichen Zweck. 

Das können mehrsprachige Projektwebseiten sein, auf denen Projektergebnisse dauerhaft für die eigenen Organisationen sowie für Dritte zugänglich sind. Videos, Podcasts oder andere Medien können bei Bedarf auf bereits etablierten Plattformen veröffentlicht und über die Projektwebseite verlinkt werden.

 

Community of Practice: Wer oder was ist das genau?

Auch der Aufbau einer “Communities of Practice” oder von “Ambassador-Netzwerken” werden häufig beantragt. Was ist hier zu beachten?

Der Aufbau einer “Community of Practice” (CoP) oder von “Ambassador-Netzwerken” wird gerne mit einer digitalen Plattform zur Fortbildung und zum Austausch kombiniert. Diese Gruppen sind keine Selbstläufer, sie brauchen klare Konzepte.

Hier bleibt in den meisten Anträgen unklar: 

  • Was ist das gemeinsame Ziel?
  • Welche Zielgruppe soll genau angesprochen werden?
  • Nach welchen Kriterien werden neue Mitglieder in die Community aufgenommen?
  • Wer übernimmt die Moderation?
  • Wie wird die langfristige Pflege, Weiterentwicklung, Finanzierung und Erneuerung der Gruppe sichergestellt?

Das Konsortium sollte sich bereits in der Antragsphase die Frage stellen: Weshalb ist der Aufbau einer solchen Community die bessere Variante gegenüber einer einfacheren Lösung? Und welchen konkreten Mehrwert bietet sie für die Entwicklung der beteiligten Organisationen?

 

Toolkits, Podcasts und Videos: Wann entsteht wirklich ein gutes Produkt?

Gibt es weitere Produktideen, bei denen ihr besondere Hinweise geben möchtet?

Sehr häufig sollen neue Toolkits oder Toolboxen erstellt werden. Wenn dafür ein erhebliches Budget eingeplant wird, müssen aber auch neue Methoden entwickelt und veröffentlicht werden. Es reicht nicht, bereits vorhandene Methoden aus anderen Quellen zusammenzustellen.

Ähnliches gilt für Podcasts oder Lehrvideos. Ein als Lehrmaterial beantragter Podcast muss über kurze Veranstaltungsrückblicke oder spontane Interviews hinausgehen. Entscheidend ist der erkennbare fachlichen Mehrwert für andere Fachkräfte und Organisationen.

Auch bei Lehrvideos sollte der Fokus auf der Vermittlung relevanter Inhalte liegen und nicht lediglich auf der Dokumentation einzelner Projektaktivitäten. 

Und über die gerne beantragten “Social Media Kampagnen” ließe sich im Rahmen eines eigenen Interviews zum Thema “Wirkung durch Leitaktion 2 Projekte” ausführlicher sprechen.

 

Die wichtigste Frage: Wem nützt das Produkt?

Wenn ihr eine einzige Empfehlung für die Planung mitgeben könntet – welche wäre es?

Unser Tipp ist: Versetzt euch bitte bei der Planung in die Lage anderer Organisationen im Feld und in die eines Fördergebers. Fragt euch: Was hilft anderen Trägern, ihre Arbeit weiterzuentwickeln? Und sind die Fördermittel dafür gut eingesetzt?

Entscheidend ist, dass die Produkte einen erkennbaren fachlichen Nutzen und einen Mehrwert aufweisen. Sie müssen über die Projektlaufzeit hinaus sinnvoll genutzt werden können sowohl von den beteiligten Organisationen als auch von weiteren Akteuren im Jugendbereich.

 

Wie geht es weiter?

In unserem nächsten Interview geht es um das bereits angesprochene Thema “Wirkung durch Leitaktion 2 Projekte”. Dabei gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den Erwartungen an Small-Scale Partnerships und Kooperationspartnerschaften. Insbesondere bei Kooperationspartnerschaften spielt dieses Thema eine zentrale Rolle, die in vielen Anträgen zu wenig beachtet wird.

Wir sind gespannt! Euch erst einmal herzlichen Dank für dieses Interview.

 

Weiterführende Informationen

Dokument: Leitfaden zu den Qualitätsanforderungen an Erasmus+ Leitaktion 2 Projekte (auf Deutsch)
Dokument: Guide “Quality requirements for Erasmus+ Key Action 2 projects” (auf Englisch)

Antragstellung

Der nächste Antragstermin in der Leitaktion 2 ist der 01. Oktober 2026. Alle Informationen zur Antragstellung finden Sie auf unserer Programmseite

Dokument: Projektskizzenberatung zu Kooperationspartnerschaften
Dokument: Projektskizzenberatung zu Small-scale partnerships

Weitere Ausgaben dieser Interviewreihe

Erasmus+ Jugend, Leitaktion 2: Organisationsentwicklung als Schlüssel für erfolgreiche Projekte 
Erasmus+ Jugend, Leitaktion 2: Wo alles beginnt: Die Bedarfsanalyse als Basis guter Projektplanung

(JUGEND für Europa)

 

Die wichtigsten Tipps auf einen Blick

Aktivitäten

  • Nennt Dauer und Zahl der Teilnehmenden.
  • Definiert die Zielgruppe möglichst genau.
  • Begründet die Teilnahme von Personen außerhalb der Partnerorganisationen.
  • Beschreibt konkret, was während einer Aktivität passieren soll.
  • Stellt den Bezug zu den Projektzielen und zur Organisationsentwicklung her.

Junge Menschen

  • Begründet ihre Beteiligung in einem Leitaktion 2 Projekt nachvollziehbar.
  • Begründet nachvollziehbar, falls internationale Aktivitäten geplant werden.
  • Nutzt Pilotierungen und Fokusgruppen gezielt im Projektverlauf.
  • Plant keine unnötig großen Gruppen, damit diese Aktivitäten nicht als Finanzierung eurer regulären Jugendarbeit bewertet werden.

Produkte

  • Entwickelt Produkte aus einem konkreten Bedarf der Konsortiumspartner heraus
  • Was hilft bei Kooperationspartnerschaften anderen Fachorganisationen, ihre Jugendarbeit weiterzuentwickeln.
  • Prüft vor Antragstellung, welche bestehenden Angebote es bereits gibt und beschreibt, warum diese nicht passen.
  • Plant Mehrsprachigkeit, nicht jede Fachkraft spricht Englisch.
  • Achtet auf eine dem Aufwand entsprechende realistische langfristige Nutzung der mit Fördermitteln erstellten Produkte.
  • Plant vor Antragstellung ausreichend konkret, wie das Produkt später an Fachorganisationen verbreitet wird.