Zum Hauptinhalt springen
| ESK

Ein Abend voller Emotionen und europäischer Erzählungen

Mehr als 140 Gäste feiern in Bonn drei Jahrzehnte europäische Freiwilligenarbeit

Ein beeindruckender Panoramablick über Bonn und eine Gemeinschaft, die merklich zusammengehört: Am Abend des 18. März 2026 kamen mehr als 140 Gäste in der Rooftop Lounge im 27. Stock am Bundeskanzlerplatz zusammen, um 30 Jahre EU-Freiwilligendienste zu feiern. Auch dank der einfühlsamen und motivierenden Moderation von Sabrina Apitz entfaltete sich ein Festakt voller Emotionen, persönlicher Geschichten und europäischer Verbundenheit.

 

Anerkennung und Würdigung 

Dr. Stefan Lock, Leiter der Regionalvertretung der Europäischen Kommission in Bonn und Co-Gastgeber des Abends, setzte in seinen Eröffnungsworten den Ton. Es sei ihm sehr wichtig festzuhalten, dass es im Freiwilligendienst immer um Emotionen geht: das Gefühl, freiwillig etwas für Andere tun zu dürfen, und das Gefühl, etwas annehmen zu dürfen, das einem freiwillig gegeben wird. Diese besonders wertschätzende Emotionalität prägte den Abend eindrücklich. 

Axel Voss, Mitglied des Europäischen Parlaments, betonte in seiner Botschaft, dass junge Menschen in den EU-Freiwilligendiensten Europa ganz unmittelbar und jenseits aller Institutionen erleben und gestalten können. Europaminister Nathanael Liminski würdigte das Jubiläum in einer Videobotschaft: 

„Die jungen Menschen, die heute als Freiwillige nach Portugal, Polen oder Griechenland gehen – und die jungen Europäerinnen und Europäer, die zu uns nach Nordrhein-Westfalen kommen – sie sind die Brückenbauer für das Europa von morgen.“ 

Unter den Gästen vor Ort war auch Andrea Milz, Staatssekretärin für Sport und Ehrenamt des Landes Nordrhein-Westfalen anwesend. Sie hob ihre positiven Erfahrungen mit Erasmus+ in der Förderung des Ehrenamtes hervor.  

 

“Gerade jetzt müssen wir das gesellschaftliche Engagement junger Menschen stärken”

Besonders bewegend waren die Erfahrungen ehemaliger Freiwilliger. Jonas Mees hatte 2023 während seines Freiwilligendienstes Menschen mit Behinderung in Spanien begleitet. Die vorbehaltlose Akzeptanz, die er dort erlebte, veränderte seinen Lebensweg – er macht heute eine Ausbildung zum Heilerziehungspfleger. Und Jonas sagt: 

„Mein Freiwilligendienst hat mich so glücklich gemacht, wie ich es nie zuvor war.“

Ein Stück hoffungsvoller und doch im Moment bedrückender europäischer Realität brachte Sofiia Pyshnieva in einem Videointerview aus Kyjiw in den Raum. Ihr Freiwilligendienst in Weimar wurde für sie auch zur Befreiung von falschen Narrativen über das Verhältnis von West- und Osteuropa, mit denen sie in der von sowjetischen Denkmustern geprägten Region um Dnipro aufgewachsen war. Heute ist sie Jugendarbeiterin und baut Angebote für Jugendengagement in der Ukraine auf. Ihre Botschaft: „Gerade jetzt müssen wir das gesellschaftliche Engagement junger Menschen stärken.“

Auch Fachkräfte aus Freiwilligendienstorganisationen teilten ihre Erkenntnisse. Markus Rebitschek von der Europäischen Jugendbildungs- und Jugendbegegnungsstätte Weimar betonte: 

„Die Arbeit mit Freiwilligen als Aufnahmeorganisation ist ein gegenseitiges Lernen. Nur so kann es auch erfolgreich sein, nur so können sich beide Seiten weiterentwickeln.“ 

Annika Paulus vom Jugendwerk der AWO Württemberg hob hervor, wie europäische Freiwillige ihrer Organisation geholfen haben, neue Zielgruppen zu erreichen und die Jugendangebote vor Ort zu erweitern.

 

EU-Freiwilligendienste nicht möglich ohne das Engagement vieler

Ein roter Faden des Abends war der Dank an alle, die die EU-Freiwilligendienste möglich machen. Dr. Stefan Lock und Manfred von Hebel würdigten, gemeinsam mit den politischen Amtsträgern, in ihren Worten ausdrücklich die Freiwilligen selbst, die den Mut haben, in ein anderes Land zu gehen und sich dort für andere engagieren. Sie dankten den Aufnahmeorganisationen und Einsatzstellen, die junge Menschen willkommen heißen und begleiten, ebenso wie den Entsendeorganisationen, Mentorinnen und Mentoren, die vorbereiten, unterstützen und ermutigen. Und nicht zuletzt galt der Dank den Mitarbeiter*innen bei JUGEND für Europa, die das Programm seit drei Jahrzehnten mit Leidenschaft und Expertise umsetzen.  

Thomas Thomer, der das Bundesjugendministerium auf dem Festakt vertrat, meinte: 

„Deutschland hat die EU-Freiwilligendienste von Anfang an unterstützt – und wird das auch in der kommenden Programmgeneration ab 2028 tun.  Das Europäische Solidaritätskorps ist ein Paradebeispiel dafür, wie Europa vor Ort konkret wird und als EU-Förderprogramm den Alltag junger Menschen in Deutschland bereichert.”

Aufgerufen, ihre persönlichen Wünsche für die Zukunft der EU-Freiwilligendienste zu äußern orientierten sich die Teilnehmer*innen an den Erfolgen der vergangenen 30 Jahre: Es muss weitergehen mit den EU-Freiwilligendiensten und ihrem ganz eigenen Charakter. Die erfolgreichen Bemühungen um mehr Inklusion und die Einbindung benachteiligter Jugendlicher sollen verstärkt, der positive Einfluss von Freiwilligendiensten auf das lokale Umfeld weiter ausgebaut werden.

Gleich für 30 Jahre richtete Natascha Sander von der Generaldirektion Bildung, Jugend, Sport und Kultur der EU-Kommission den nach vorn: 

„Erasmus+ hat zwei Grundpfeiler – die formale und die nicht-formale Bildung. Diese gilt es weiter zu stärken und sichtbarer zu machen. Ich möchte, dass Europa in 30 Jahren besser dasteht als heute – und dazu können die EU-Freiwilligendienste einen wertvollen Beitrag leisten.“

(JUGEND für Europa)