30.06.2020

MOVE IT Online BarCamp: Interview mit Johannes Bergunder zu digitalen Lernabzeichen (open badges)

Johannes Bergunder (Foto: Bennet Rietdorf)© Bennet RietdorfWelche Themen bewegen? Interviews mit Anbieter/-innen der selbstorganisierten Sessions des MOVE IT Online BarCamp

Sechs der insgesamt 14 Anbieter/-innen der MOVE IT Online BarCamp-Sessions haben auf unsere Interviewanfrage geantwortet und erzählen von ihren Erfahrungen (weitere Interviews siehe unten).

MOVE IT: Sie arbeiten für GOEUROPE! und das Europe Direct-Informationszentrum in Sachsen-Anhalt. Ihre Session hatte cities of learning und open badges, also digitale Lernabzeichen, zum Thema. Beschäftigen Sie sich schon länger mit diesem Thema?

Johannes Bergunder: Ja, genau, ich habe die Session zusammen mit Nerijus Kriaučiūnas angeboten, mit dem ich bereits in mehreren Projekten und Partnerschaften zu dem Thema zusammenarbeite. Gerade mit digitalen Lernabzeichen oder Zertifikaten für non-formales Lernen beschäftigen wir uns seit 2011.

Worum geht es dabei genau?

Vor einiger Zeit haben wir eine mehrsprachige Plattform Badgecraft und die App Badge Wallet gestartet. Auch haben wir die digitalen Lernzabzeichen (open badges) in verschiedensten Lernkontexten getestet und die Plattform Cities of Learning für Städte und Regionen geschaffen, die lokale Aktivitäten und Angebote der Jugendarbeit in einer interaktiven Karte für junge Menschen darstellt. Inzwischen gibt es 14 Plattformen in verschiedenen Städten und Regionen Europas. Unser Ziel war es, den teilnehmenden Multiplikator/-innen diese Tools zur Anerkennung von Lernerfahrungen und Fähigkeiten zu zeigen, weil sie für viele Aktivitäten und Veranstaltungen hilfreich sein können.

Um welche Fragen hat sich euer Austausch im MOVE IT Online BarCamp denn hauptsächlich gedreht?

Eine der Herausforderungen, über die wir gesprochen haben, ist die Frage, ob es notwendig ist, die Gemeinde oder die Regionalverwaltung einzubeziehen, wenn eine Organisation ihre Plattform starten möchte. Wir haben uns über unsere bisherigen Erfahrungen damit ausgetauscht und sind zu dem Schluss gekommen, dass es zwar nicht erforderlich ist, aber sehr hilfreich sein kann. Gute Beispiele dafür sind etwa Ljubljana oder Cagliari, in denen das gut funktioniert hat. Es gibt ein Cities of Learning Starter-Kit, das hilfreiche Hinweise für den Anfang eines solchen Vorhabens liefert.

Haben sich konkrete Vorschläge aus der Session ergeben?

Ja, der Hauptvorschlag war, eine Möglichkeit zu schaffen, die Tools über die MOVE IT Online BarCamp-Session hinaus zu erkunden und Raum für Tests und das Ausprobieren für alle Teilnehmenden von zu schaffen.

Sie selbst sind über einen Europäischen Freiwilligendienst in Litauen in die internationale Jugendarbeit gekommen. Was bedeutet digitale Jugendarbeit für Sie?

Mit Blick auf die vielen technischen Möglichkeiten und Tools, würde ich sie als etwas beschreiben, das großes Potential hat, über neue, unerschlossene Wege Jugendliche zu erreichen, die bislang noch nicht über die EU-Jugendprogramme erreicht wurden. Gleichzeitig denke ich, dass digitale Mobilität nicht dazu da ist reale Mobilität zu ersetzen, sondern diese zu bereichern.

Grundsätzlich stehen wir sicherlich nicht mehr ganz am Anfang dieses Prozesses, auch wenn es sich manchmal so anfühlt. Aus meiner persönlichen Arbeit kann ich sagen, dass wir ziemlich tief in der Entwicklung drinstecken. Mit Blick auf das ganze Feld habe ich das Gefühl, dass wir immer noch mit der Integration von digitalem Denken und Arbeiten in der Jugendarbeit ringen – oft gibt es so große Zweifel, dass wir in der Konsequenz dann nicht versuchen, das komplette Potential auszuschöpfen.

Und wie gehen Sie in Ihrem Arbeitskontext mit der neuen Situation um?

Wir haben etwa Instagram Live-Formate, digitale Playlists und Module für Workshops für Jugendliche aus unserer Region entwickelt, um über Angebote zu informieren. Auch eine Online Living-Library haben wir ins Leben gerufen. Diese Wege stützen unsere Ziele und Arbeit, aber natürlich können gewisse Anteile unserer Arbeit digital nicht ersetzt werden, besonders wenn es um den gemeinsamen physischen Austausch geht. Auf lange Sicht betrachtet werden wir sicher einen stärkeren Fokus auf digitale Jugendarbeit setzen als zuvor, aber wir wollen auch unsere Aktivitäten, die sich lange bewährt haben, fortsetzen.

Lisa Brüßler für MOVE IT / JUGEND für Europa
(Foto: Bennet Rietdorf)

Alle Interviews zum MOVE IT Online BarCamp

Eine PDF-Version aller Interviews (Deutsch / Englisch) und visuelle Zusammenfassungen von 11 Sessions des MOVE IT Online BarCamp finden Sie bei www.jugendfuereuropa.de/veranstaltungen/MOVE-IT. Die in den Interviews getätigten Aussagen entsprechen ausschließlich den Meinungen der Interview-Teilnehmer/-innen.

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