23.02.2026

Ein Weckruf von der Basis für die europäische Jugendpolitik:Young Voices for Youth Work

Wie steht es um die Räume, in denen junge Menschen Demokratie lernen und leben? In einer Zeit, in der zivilgesellschaftliche Strukturen unter Druck stehen, melden sich junge Menschen aus neun europäischen Ländern gemeinsam zu Wort: Mit dem Policy Paper „Young Voices for Youth Work“ legen sie einen Forderungskatalog für die Zukunft der europäischen Jugendarbeit vor. JUGEND für Europa war an dem Konsultationsprozess beteiligt.

Das Papier ist das Ergebnis eines monatelangen partizipativen Prozesses im Netzwerk von Generation Europe – The Academy.

Die Diagnose der jungen Autor*innen aus Finnland, Deutschland, Ungarn, Italien, Polen, Portugal, Rumänien, Spanien und der Ukraine lautet: Die Zukunft der Jugendarbeit ist untrennbar mit der Zukunft unserer Demokratien verbunden. Sie wird jedoch durch prekäre Finanzierungsmodelle, fehlende rechtliche Anerkennung und hohe bürokratische Hürden gebremst und gefährdet.

Partizipativer Entstehungsprozess

Das Besondere an dem Dokument ist seine Graswurzel-Perspektive. Es entstand nicht am Schreibtisch der üblichen Vertreter*innen, sondern wurde verfasst von jungen Menschen, die selbst in lokalen Jugendgruppen und internationalen Partnerschaften aktiv sind. Sie haben recherchiert, Interviews geführt und Fragebögen ausgewertet.

Der finalen Veröffentlichung ging ein intensiver Konsultationsprozess voraus: Bei einem Roundtable im European Policy Centre (EPC) in Brüssel diskutierten die aktiven Jugendlichen ihre Thesen mit Vertreter*innen der EU-Kommission, des Europäischen Parlaments und großen europäischen Dachverbänden. Das Feedback floss direkt in die nun vorliegende Endfassung ein.

28 Empfehlungen für eine resiliente Jugendarbeit

Insgesamt stellen die jungen Autor*innen 28 konkrete Handlungsempfehlungen vor, um die Jugendarbeit als Säule demokratischer Gesellschaften zu sichern. Ihre Politikempfehlungen beziehen sich auf folgende Handlungsfelder:

  1. Zugang und Inklusion: Verbindliche Aktionspläne und ein EU-weites Monitoring sollen sicherstellen, dass internationale Begegnungen nicht nur privilegierten Gruppen offenstehen. Gefordert werden zudem eine bessere Unterstützung für Mehrsprachigkeit und eine stärkere Berücksichtigung von Mental Health in Förderprogrammen.
  2. Rechtliche Rahmenbedingungen & Anerkennung: Die europäischen Institutionen und die Mitgliedsstaaten sollen kohärente rechtliche Standards schaffen, um Schutz und Status der Jugendarbeit in allen EU-Ländern zu garantieren. Junge Menschen und Fachkräfte der Jugendarbeit müssen aktiv in die Politikgestaltung einbezogen werden, unter anderem durch verbindliche Dialogformate.
  3. Professionalisierung: Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, braucht es klare Karrierewege, europaweit anerkannte Qualifikationen sowie faire Löhne und Arbeitsrechte für Fachkräfte der Jugendarbeit.
  4. Nachhaltige Finanzierung: Die aktuelle europäische Förderlandschaft, die primär kurzfristige Projekte finanziert, zermürbt die Organisationen. Notwendig ist ein fundamentaler Wandel hin zu einem hybriden Finanzierungsmodell, das regelmäßige Zuschüsse für Betriebskosten (Operating Grants) als festen Bestandteil von Programmen wie Erasmus+ etabliert.

Das vollständige Policy Paper sowie alle weiteren Informationen zur Entstehung finden Sie auf der Seite von Generation Europe.

Generation Europe – The Academy ist ein internationales Netzwerk von Organisationen der Jugendarbeit und ein Förderprogramm für europäische Zusammenarbeit. Es wird koordiniert vom Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk (IBB e.V.) in Dortmund.

(JUGEND für Europa / Quelle: Generation Europe – The Academy)