Erasmus+ Jugend, Leitaktion 2: Organisationsentwicklung als Schlüssel für erfolgreiche Projekte
Die Leitaktion 2 in Erasmus+ Jugend bietet Organisationen die einmalige Möglichkeit, sich gemeinsam mit europäischen Partnern sowohl fachlich wie auch strukturell weiterzuentwickeln. In einer neuen Interviewreihe beleuchtet das Team der LA2 wichtige Aspekte, die für eine erfolgreiche Antragstellung und Projektdurchführung von Bedeutung sind. Sie geben praxisnahe Hinweise, wie bereits in der Projektkonzeption spätere Stolpersteine vermieden werden können. Den Anfang macht das Thema Organisationsentwicklung.
Ihr habt einen Qualitätsleitfaden für Projekte in der Leitaktion 2 veröffentlicht. Was ist das Ziel des Leitfadens?
Den Qualitätsleitfaden haben wir als Serviceangebot für eine erfolgreiche Antragstellung erstellt.
Wir empfehlen wärmstens den dreiseitigen Leitfaden zu lesen, bevor man zusammen mit den Partnern in die Antragsplanung geht und überlegt, ob man ein Small-scale Partnership Projekt oder eine Kooperationspartnerschaft beantragen möchte.
Den Leitfaden gibt es in unserem Dokumentencenter auf Deutsch und Englisch.
Als Kernzweck der Leitaktion 2 beschreibt ihr die Organisationsentwicklung. Was genau meint ihr damit?
Unser Ausgangspunkt im Bereich Organisationsentwicklung ist simpel: Eine Organisation will sich verändern, neue Methoden und damit auch neue Wege gehen. Sie möchte neue Zielgruppen ansprechen oder neue Themen abdecken, wie z.B. Kompetenzen bei der Erkennung von Fake-News stärken. Dadurch will sie das Angebote für junge Menschen anpassen und ihr eigenes Profil weiterentwickeln.
Die Organisationsentwicklung geschieht gemeinsam mit europäischen Partnerorganisationen. In einem Förderantrag beschreibt das Konsortium dann klar, wie die Projektergebnisse nachhaltig in die reguläre Arbeit aller beteiligten Partner integriert werden sollen.
Wichtig ist: Im Förderantrag müssen wir erkennen können, dass die Partner den Entwicklungswunsch gemeinsam entwickelt und reflektiert haben. Das zeigt uns bereits eine hohe Qualität des Vorhabens und kann ein wichtiges erstes Merkmal für einen erfolgreichen Förderantrag in der Leitaktion 2 sein.
Wir lesen z.B. öfter, dass die Partnerorganisationen durch den Antrag lernen wollen, Erasmus+ Projekte zu beantragen oder umzusetzen. Das aber reicht als Entwicklungswunsch nicht aus.
Können denn auch junge Menschen an der Organisationsentwicklung beteiligt sein?
Dies geht nur in Ausnahmefällen. Denn Jugendliche sind nicht die eigentliche Zielgruppe, sondern die Endbegünstigten eines Projekts in der Leitaktion 2. Sie können aber im Rahmen einer Bedarfserhebung, z.B. durch Fokusgruppen, oder in einer Pilotphase, z.B. beim Testen neuentwickelter Methoden, beteiligt werden.
Allen potenziellen Antragstellenden raten wir daher: Prüfen Sie auch immer, ob ihr Vorhaben nicht besser in der Leitaktion 1 beantragt werden kann - als eine Jugendbegegnung oder ein Jugendpartizipationsprojekt. Das erleben wir leider oft. In der Leitaktion 2 sind solche Vorhaben dann in der Regel nicht relevant für eine Förderung, was allen Beteiligten nur viel unnötige Arbeit macht, vor allem natürlich den Antragstellenden selbst.
Hängt die erfolgreiche Antragstellung und Projektdurchführung nicht sehr von einzelnen Personen innerhalb der Organisation ab, die Zeit haben und Willens sind, sich mit diesen teilweisen zeitintensiven Prozessen zu beschäftigen?
Um erfolgreiche Organisationsentwicklung betreiben zu können, muss der Entwicklungswille natürlich von der Leitung der Organisation gewollt sein und unbedingt auch aktiv unterstützt werden, um eine möglichst breite Wirkung in der Organisation zu erreichen.
Das fängt mit den zeitlichen Ressourcen an, die den Projektmanager*innen dafür gegeben werden. Es muss aber auch die Bereitschaft da sein, innerhalb des Projekts Zeit in die Kompetenzentwicklung des eigenen Personals zu investieren, egal ob es haupt- oder ehrenamtliche Kräfte sind.
Leider erleben wir in der Praxis oft das Gegenteil, dass Einzelkämpfer*innen in Organisationen letztlich mit der Beantragung und Umsetzung des Projekts recht allein gelassen werden.
Eine erste große Herausforderung in einem LA2-Projekt ist vermutlich die Notwendigkeit, ein internationales Projekt zu konzipieren, damit es förderfähig ist?
Genau: Bei einem Leitaktion 2 Projekt handelt es sich ja um einen internationalen Prozess im Rahmen der Organisationsentwicklung, zusammen mit den Partnerorganisationen.
Alle Organisationen brauchen zumindest einige Schnittstellen in der gewünschten Ausrichtung der Organisationsentwicklung und die o.g. benötigte Unterstützung seitens der Leitung. Da ist die Auswahl der Partner sicher ein sehr wichtiger und auch herausfordernder Schritt, wenn man diese Partner nicht schon aus anderen internationalen Projekten kennt.
Als sehr wichtig erachten wir den Aspekt einer gemeinsamen Projektentwicklung, damit bei allen Partnern der Entwicklungsbedarf durch das Projekt auch wirklich unterstützt wird. Wir kennen natürlich die fertigen Anträge für die Leitaktion 2, die über Social-Media-Kanäle gestreut und für die Antragsteller gesucht werden.
Wir warnen aber davor, es sich an dieser Stelle vermeintlich einfach zu machen. So etwas ist aus dem Antrag leicht abzulesen und führt zur Ablehnung, weil diese Projekte als Ausgangspunkt eben nicht den organisationsentwickelnden Bedarf der beteiligten Partner widerspiegeln.
Was können denn weitere Stolpersteine sein?
Besonders problematisch ist, wenn einzelne Organisationen an einer sehr großen Zahl von Anträgen beteiligt sind. Wir müssen uns dann fragen, wie viele Leitaktion 2 Projekte gleichzeitig überhaupt in einer angemessenen Qualität umgesetzt werden können. Oder anders ausgedrückt: In wie viele Richtungen kann die Organisation gleichzeitig Organisationsentwicklung betreiben.
Wir raten deshalb sehr, mit den potenziellen Partnern vorab zu klären, wie oft sie die Leitaktion 2 nutzen. Maximal zwei bis drei Anträge in einer Auswahlrunde in der Leitaktion 2 könnten ein Indikator sein, dass der Partner den Zweck der Leitaktion 2 verstanden hat und entsprechend umsichtig Projekte in diesem Kontext plant.
Gibt es noch weitere Tipps und Hinweise eurerseits?
Nutzen Sie unsere Projektskizzenberatung. Die Projektskizzenvorlage finden Sie in unserem Dokumentencenter und ist in gewisser Weise ein „Antrag light“ für das gewünschte Förderformat.
Füllen Sie die Skizze einige Wochen vor dem Antragstermin aus - gerne schon zusammen mit den Partnern und deshalb in der englischen Version - und vereinbaren Sie mit uns einen informellen Beratungstermin.
Sie erhalten noch einmal wertvolle Tipps. Und im schlimmsten Fall erspart es ggf. allen Seiten mühsame Arbeit mit Anträgen, die von ihrer grundsätzlichen Ausrichtung keine bzw. nur sehr wenig Aussichten auf Fördererfolg haben.
Vielen Dank für eure Einblicke. Dies war der Auftakt zu einer kleinen Interviewreihe mit euch zu Themen der Leitaktion 2. Worauf können sich die Leser als nächstes freuen?
Beim nächsten Interview möchten wir uns mit euch über unsere Sichtweise auf das Thema Bedarfsanalyse für Leitaktion 2 Projekte unterhalten. Mit Höhe der Fördersumme steigen auch die Ansprüche an eine ausreichende Bedarfsanalyse. Einiges dazu kann man schon in unserem Qualitätsleitfaden der Leitaktion 2 nachlesen.
(JUGEND für Europa)
Weiterführende Informationen
Dokument: Leitfaden zu den Qualitätsanforderungen an Erasmus+ Leitaktion 2 Projekte (auf Deutsch)
Dokument: Guide "Quality requirements for Erasmus+ Key Action 2 projects" (auf Englisch)
Antragstellung
Die nächste Frist zur Antragstellung endet am 05. März 2026. Alle Informationen zur Antragstellung finden Sie auf unserer Programmseite.
Die Unterlagen für eine Projektskizzenberatung zu Kooperationspartnerschaften finden Sie hier im Dokumentencenter.
Die Unterlagen für eine Projektskizzenberatung zu Small-scale partnerships finden Sie hier.