21.02.2017

Kompetent und anerkannt: SALTO stellt Kompetenzmodell für international arbeitende Fachkräfte der Jugendarbeit vor

Kompetenzen sind das Zauberwort, wenn es darum geht, Effekte von Bildungsarbeit zu beschreiben. Aber welche Kompetenzen benötigen Fachkräfte und Ehrenamtliche in der internationalen Jugendarbeit?

Wird die Qualität von Jugendarbeit thematisiert, kommt man um die Frage nach den Kompetenzen des Personals nicht herum. Mit der Frage beschäftigt sich unter anderem die Hochschule Kempten im Rahmen ihres neuen Studiengangs „Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt Jugendarbeit“ (siehe NEWS). Aber welche Kompetenzen benötigen Fachkräfte, die selbst international oder mit Jugendlichen in internationalen Maßnahmen arbeiten? Wie identifiziert man Kompetenzen, die man benötigt, um Mobilitätsprojekte vorzubereiten, durchzuführen und zu evaluieren?

Diesen Fragen widmet sich das „Kompetenzmodell für Fachkräfte der Jugendarbeit, die international arbeiten“, das Gisele Evrard und Rita Bergstein von SALTO bei JUGEND für Europa in einer aktuellen Broschüre beschreiben. Anhand des Modells sollen Professionsprofile beschreibbar gemacht und deren Anerkennung gestärkt werden. Das Modell bezieht sich auf allerei Vorarbeiten, unter anderem auf den EU-Ministerratsbeschluss zur Qualität der Jugendarbeit von 2010 und auf das Papier „Qualität nicht formaler Bildung und Ausbildung im Bereich Europäischer Jugendarbeit“ von Helmut Fennes und Henrik Otten. Vor allem orientiert es sich an der existierenden Praxis der Internationalen Jugendarbeit.

Mehrdimensionales Modell

Das Modell sieht zwei Achsen vor, innerhalb derer Kompetenzen beschrieben werden können. Zunächst unterscheidet es Kompetenzbereiche: Haltungen, Wissen, Fertigkeiten und Verhalten. Zwar gibt es keine Hierarchie zwischen diesen Bereichen, dennoch hängen sie in unterschiedlicher Weise zusammen. So kann vom Verhalten auf Wissen, Fertigkeiten und Haltungen geschlossen werden.

In einem weiteren Schritt werden acht einzelne Kompetenzen definiert. Dies sind:

  • Individuelles Lernen und Lernen in Gruppen in einer anregenden Umgebung zu moderieren,
  • Programme zu konzipieren
  • Ressourcen zu organisieren und zu managen
  • In Teams erfolgreich zusammenzuarbeiten
  • Mit anderen sinnvoll zu kommunizieren
  • Interkulturelle Kompetenzen zu zeigen
  • Zu netzwerken und anwaltschaftlich zu handeln
  • Evaluationspraktiken zu entwickeln, um Veränderungen zu bewerten und umzusetzen

Diese acht Kompetenzen werden in der Broschüre näher beschreiben und den vier Kompetenzbereichen zugeordnet. So gehören beispielsweise zur ersten Kompetenz – individuelles Lernen und Lernen in Gruppen moderieren – Fertigkeiten wie „angemessen Methoden zu finden und die Lernbedarfe und -ziele junger Menschen zu erkennen“ oder die Fertigkeit, „das Selbstbewusstsein junger Menschen aufzubauen und zu stärken“. Eine dazu gehörige Haltung wäre z.B. „die Bereitschaft zu improvisieren und Ambiguität zu akzeptieren“.

Ein passendes Verhalten wäre es, junge Menschen zu motivieren und zu stärken (empowern). Quer dazu liegen Wertvorstellungen und -bereiche, mit denen Kompetenzen untersetzt sein sollten. Dazu zählen Ethik, Integrität, Vertrauen, Ausbildung, Teilhabe und Partizipation, Anerkennung und Kommunikation.

Äußerst anregend

Allein die Lektüre dieser Zuordnungen – im Einzelfall sicherlich diskussionswürdig – ist äußerst anregend. Sie kann und sollte zum Nachdenken und zur Diskussion im Team, zwischen Kooperationspartnern oder einfach für die professionelle Selbstreflexion genutzt werden. Sinnvoll und brauchbar für die interne und externe, vor allem internationale Verständigung und Debatte sind auch weitere Definitionen, die dem Modell zugrunde liegen.  So erklären die Autorinnen, was man unter „Internationaler Dimension der Jugendarbeit“ verstehen kann, was „JugendarbeiterInnen“ sind und was mit „Jugend“ gemeint ist.

Die Autorinnen verstehen das Modell keineswegs als verpflichtenden Standard, sondern als Anregung und „dynamischen Rahmen“. Keinesfalls solle es darum gehen, ein Qualitäts-Minimum oder Maximum zu definieren.  Allerdings soll das Kompetenzmodell langfristig dazu beitragen, die Qualität internationaler Jugendarbeit zu sichern und gleichzeitig die Anerkennung der Profession zu stärken. So könnte es als eine Art Leitfaden für die Fortbildung dienen. Dennoch bleibt die Befürchtung, dass solche Kompetenzmodelle irgendwann einmal in Qualitätsnachweissysteme integriert und damit förderrelevant werden, im Raum.

(Dr. Helle Becker im Auftrag von JUGEND für Europa)

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Link: Download der Broschüre (englisch) als PDF

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