01.10.2007

"Wir möchten Programmland werden!"

Die Schweizer geben Gas und streben den Beitritt ihres Landes zum Programm JUGEND IN AKTION an. Thomas Winzeler, Projektkoordinator der Schweizerischen Koordinationsstelle "Jugend für Europa", über die Ambitionen seiner Landsleute in Sachen europäische Vernetzung.

Die Schweiz ist das einzige Nicht-Programmland hier auf dem 7. Forum, stellt aber die zweitgrößte Delegation gleich nach Deutschland. Wie kommt’s?

Unsere große Teilnehmerzahl spiegelt das Interesse in der Schweiz am EU-Programm wieder. In unserer Delegation sind unter anderem Fachleute aus der Bildungspolitik, Jugendliche, die selbst Projekte angerissen haben, Vertreter von Jugendverbänden und Jugendarbeiter. Die Perspektive, hier eigene Projekte vorstellen zu können, ist für viele sehr interessant.

Welche Ziele verfolgt die Schweizerische Koordinationsstelle?

Wir haben ein klares Ziel: Wir möchten Programmland von JUGEND IN AKTION werden. Mit unserer Teilnahme am Forum möchten wir unser Interesse unterstreichen und die schweizerischen Teilnehmer für das Programm sensibilisieren. Und wir bauen jetzt verstärkt Netzwerke auf, die später vielleicht wichtig für uns werden. Das Forum ist ein sehr wertvoller und konstruktiver Rahmen.

Wie ist die Schweiz denn bislang in das Programm eingebunden?

Wir nehmen seit Anfang der 90er Jahre am Programm teil, können aber nur an Projekten teilnehmen, bei denen mindestens zwei weitere Länder beteiligt sind. Aus Brüssel bekommen wir keine Fördergelder, alle Finanzen stammen vom Fonds des Staatssekretariats für Bildung und Forschung. Trotzdem möchten wie die Strukturen von JUGEND IN AKTION nutzen – aus Kapazitätsgründen beschränken wir uns dabei auf drei Aktionen: Jugendbegegnungen, Europäischer Freiwilligendienst und Training und Vernetzung. 2006 hatten wir 32 Projekte mit insgesamt 93 Teilnehmern.

Was versprechen Sie sich vom Statuswechsel zum vollen Programmland?

Wir bekämen eine schweizerische Nationalagentur und erstmals Programmmittel aus Brüssel. Damit könnten wir mehr Projekte fördern, Weiterbildungen organisieren, uns stärker mit vorhandenen Strukturen in der Schweiz vernetzen und mit denen der EU.

Wie viele Schweizer kennen JUGEND IN AKTION bisher?

Das Programm ist in der Schweiz nicht sehr bekannt, aber es entwickelt sich. Die Leute, denen wir davon berichten, sind sehr interessiert und überrascht. Die Resonanz ist insgesamt sehr positiv. Wir sprechen Gruppen an der Basis an  und informieren auch auf höheren Ebenen über die Chancen von JUGEND IN AKTION. Das Stichwort Europäisches Bürgertum ist sehr präsent, denn die Schweiz ist ein multikulturelles Land. Darum gehen wir auch in Schulen und regen zur Diskussion über Europa an.

Welche jugendpolitischen Themen werden zurzeit in der Schweiz diskutiert?

Viel diskutierte Themen sind die Gewalt unter Jugendlichen, das so genannte Kampftrinken, die Integration benachteiligter Jugendlicher und das Stimmrecht mit 16 – und natürlich das Thema Bildung, PISA hallt noch immer nach.

Macht es Sinn, dass sich die deutschsprachigen Länder auf dem 7. Forum in Köln treffen?

Auf jeden Fall. Wenn wir deutschsprachige Kooperationen stärken, geben wir solchen Jugendlichen eine Chance zum Mitmachen, die sich mit Fremdsprachen schwer tun. Die Sprache ist für viele eine Barriere. So können sie ins Ausland und trotzdem deutsch sprechen.

Wie empfinden Sie die Arbeitsatmosphäre auf dem Forum?

Die Stimmung ist gut, es gibt genügend informellen Raum, um mit allerlei Leuten zu sprechen. Toll finde ich, dass sich viele hochkarätige Referenten selbst in andere Diskussionsrunden setzen und mitdiskutieren. Der Umgang ist respektvoll, das gegenseitige Interesse ist sehr groß, auch das an der Schweiz.

Was möchten Sie von dieser Veranstaltung mit nach Hause nehmen?

Mitnehmen möchten wir vor allem viele neue Kontakte. Wir haben bereits Gespräche geführt mit Österreichern und mit Deutschen, vor allem bezüglich der Fußball-EM im nächsten Jahr. Nun haben wir unsere Kooperationsideen vertiefen können. Angestrebt ist unter anderem ein Theater-Jugend-Austausch. Persönlich interessieren mich die praktischen Themen der Workshops am meisten. Wir sind ziemlich abgeschottet von der Entwicklung des Programms und bekommen Informationen nicht direkt von der EU, sondern aus zweiter Hand. Diese Infos sind sehr wichtig für uns. Schließlich haben wir noch ein zweites großes Ziel neben dem Programmbeitritt: Wir möchten das Forum im Jahr 2009 in der Schweiz austragen. Aber das wird natürlich von der politischen Entwicklung bis dahin abhängen.

(Andreas Menn)

Kommentare

    Bislang gibt es zu diesem Beitrag noch keine Kommentare.

    Kommentar hinzufügen

    Wenn Sie sich einloggen, können Sie einen Kommentar verfassen.