30.06.2020

MOVE IT Online BarCamp: Interview mit Rea Fraser zur Online-Beteiligung von Jugendlichen in EU-Nachbarschaftsländern

Rea FraserWelche Themen bewegen? Interviews mit Anbieter/-innen der selbstorganisierten Sessions des MOVE IT Online BarCamp

Sechs der insgesamt 14 Anbieter/-innen der MOVE IT Online BarCamp-Sessions haben auf unsere Interviewanfrage geantwortet und erzählen von ihren Erfahrungen (weitere Interviews siehe unten).

MOVE IT: Frau Fraser, Sie sind die Gründerin und Präsidentin der Organisation Strait Up in Tangier, an der Grenze von Spanien und Marokko. Worum ging es in Ihrer MOVE IT Online BarCamp-Session?

Rea Fraser: Wir bei Strait Up nutzen Fahrräder als Tool für sozialen Wandel und interkulturelle Lernerfahrung. Wir arbeiten an der Straße von Gibraltar, zwischen Tarifa (Spanien) und Tangier (Marokko). Die beiden Städte liegen nur 14 Kilometer voneinander entfernt, trotzdem gibt es eine sichtbare Trennung – die Grenze. Digitale Jugendarbeit hat schon vor Corona-Zeiten eine Schlüsselrolle bei uns gespielt, unabhängig davon was digitale Jugendarbeit im EU-Programm Erasmus+ bedeutet. Wir sind neu in diesem Feld und wollten deswegen in einer Session diskutieren, wie Jugendliche aus europäischen Nachbarländern online beteiligt werden können. [Anmerkung: Siehe auch die Möglichkeiten für EU-Nachbarländern bei Erasmus+ Virtual Exchange.]

Warum haben Sie dieses Thema vorgeschlagen?

Ich weiß nicht genau wo wir stehen, was digitale Jugendarbeit angeht, aber ich kann sagen, dass ich noch kein Format kennengelernt habe, das die Jugendlichen, mit denen ich arbeite, einbezieht. Die Jugendlichen, mit denen ich in Tangier arbeite gehören zu denen mit geringeren Chancen und sind nicht in Ausbildung, Arbeit oder Schulung (NEET). Ihr Leben ist von einer Grenze, Visa-Angelegenheiten und tiefen, kulturellen und politischen Konflikten geprägt. Interaktion findet meist digital per Memes, Emojis und Stories statt, denn jeder hat ein Smartphone mit Internetzugriff und eine gewaltige Reichweite in den sozialen Medien. Jetzt, in einer Zeit, in der persönlicher Kontakt noch weniger möglich ist und wir nicht wissen, wann die Grenze wieder öffnet, sind wir vollkommen darauf angewiesen.

Welche Herausforderungen haben sich in der Session herauskristallisiert?

Im Prinzip gab es nur Fragen von meiner Seite – ich habe mir erhofft, dass die anderen Teilnehmenden mir Tipps geben können, damit ich zukünftig in die richtige Richtung laufe. In meiner Wahrnehmung ist der Fokus der digitalen Jugendmobilität auf den Kopf gestellt: Im Mittelpunkt steht, dass alle Jugendlichen Zugang zu Technologien haben, gleichzeitig übertreffen mich in Marokko alle Jugendarbeiter/-innen mit ihren digitalen Kompetenzen.

Was haben Sie denn mitgenommen aus der Session?

Das MOVE IT Online BarCamp hat nicht zu endgültigen Lösungen geführt, aber ich habe es mit vielen positiven Gefühlen verlassen, weil der Input der erfahrenen Kolleg/-innen für mich als Neuling im Erasmus+-Feld sehr nützlich war. Vielleicht war Corona der Auslöser, denn momentan ist der digitale Bereich unsere Hauptquelle für Interaktionen. Ich versuche immer wieder, die Jugendlichen an Erasmus+-Projekte heranzuführen, die auch für sie offen sind, aber die Inhalte und die Sprache, die dort genutzt wird, stimmt überhaupt nicht überein mit ihrem Verständnis davon, wie online kommuniziert wird. Und ja, wenn ihre Social-Media-Accounts 40.000 Follower haben und meine 400, frage ich mich, ob ausgerechnet ich diese Diskussion führen sollte?

Lisa Brüßler für MOVE IT / JUGEND für Europa
(Foto: Privat)

Alle Interviews zum MOVE IT Online BarCamp

Eine PDF-Version aller Interviews (Deutsch / Englisch) und visuelle Zusammenfassungen von 11 Sessions des MOVE IT Online BarCamp finden Sie bei www.jugendfuereuropa.de/veranstaltungen/MOVE-IT. Die in den Interviews getätigten Aussagen entsprechen ausschließlich den Meinungen der Interview-Teilnehmer/-innen.

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