18.11.2014

comeback 2014 - Schon einen Schritt weiter: EuroPeers

Ihr Comeback liegt zwei, fünf oder sogar neun Jahre zurück. Regine, Nora und Melih sind ehemalige Europäische Freiwillige, die sich als EuroPeers engagieren und den diesjährigen „Combackern“ im besonderen Maße auf Augenhöhe begegnen. Ihren eigenen EFD reflektieren sie mit einem größeren zeitlichen Abstand. Drei Protokolle.

Nora Schröder (25) aus Konstanz

Ich bin vergleichsweise spät EuroPeer geworden. Ich wollte europäisch aktiv sein, statt nur Europa zu studieren. Nachdem ich als europäische Freiwillige in Frankreich war, habe ich mich mit Europa beschäftigt. Davor war das nicht so stark der Fall, vor allem nicht politisch. Dabei liegt Europa im Schnittfeld von Politik und Kultur, das wird mir rückblickend immer bewusster. Dafür braucht es Engagement. Genau das studiere ich jetzt: Kulturelle Grundlagen Europas heißt mein Master-Studiengang an der Uni Konstanz. Mein EFD war so gesehen eine Weichenstellung für mein Leben.

Unmittelbar nach meiner Rückkehr hatte ich den Eindruck, ich könnte jetzt genauso in Frankreich studieren. Ich beherrschte die Sprache und empfand die kulturellen Unterschiede  als geringer. Je länger ich in Frankreich lebte, desto mehr Gemeinsamkeiten habe ich entdeckt. Aus heutiger Sicht bin ich wieder zurückhaltender, mir würde Vieles fehlen, wenn ich geblieben wäre. Es reicht nicht, eine Sprache zu beherrschen, man muss sich wohlfühlen dabei. Ich möchte ausdrücken, was ich empfinde. Wer kein perfektes Französisch spricht, schließt nie zu den Franzosen auf.

Es tut gut, einen Blick von außen auf sein Herkunftsland zu werfen und auf Dinge, die man als selbstverständlich kennengelernt und betrachtet hat. Je länger mein EFD zurückliegt, desto differenzierter sehe ich meine Erfahrungen. Das ist gut, denn aus Schwarz und Weiß werden so immer mehr Abstufungen. Als Freiwillige im Ausland war ich deutlich mehr mit Vorurteilen konfrontiert. Jeder denkt, er kann dich aufgrund deiner Nationalität einschätzen. Wenn ich ehrlich bin, fühlt man sich ziemlich auf die Herkunftsidentität zurückgeworfen.

Deutsch sein in Frankreich bedeutet, dass jemand gut organisiert ist, pünktlich und produktiv. Das ist heilsam, wenn es so eine vergleichsweise lapidare Assoziation ist. Die Franzosen – andere Länder auch – zelebrieren ihre nationale Identität mehr, dazu habe ich auch fünf Jahre nach meinem EFD noch keine richtige Position gefunden. Die gibt es vielleicht gar nicht, Kulturen wandeln sich, das ist ein dynamischer Prozess. 

Nora Schröder war 2009 im EFD in Frankreich.

Melih Özkardes (29) aus Mönchengladbach

Melih Özkardes auf dem comeback 2014Ich bin Türke und Rheinländer, geboren in Antalya und habe seit einem Jahr den deutschen Pass. Was auf dem Papier steht, spielt für mich aber keine Rolle. Es zählt der europäische Gedanke. Mein EFD vor neun Jahren war ein Meilenstein. Die erst Zeit in Deutschland war nicht immer leicht, ich musste meine Einsatzstelle wechseln, weil ich dort der erste EFDler war und keine richtige Aufgabe hatte. Letztlich war die Zeit aber so prägend, dass ich Deutschland vermisst habe, als ich wieder in der Türkei war.

Ich hatte viel über mich gelernt und viel über die deutsche Kultur. Deshalb – und weil ich Glück hatte – fand ich mit Erasmus einen Weg, zurückzugehen. Nach Köln. Inzwischen wohne ich mit meiner Freundin in Mönchengladbach, sie stammt aus den Niederlanden und war als europäische Freiwillige in der Türkei. Wir haben sechs Jahre lang eine Fernbeziehung geführt. Im März 2015 heiraten wir!

Schon lustig, ich verdanke Europa wirklich alles. Deshalb bin ich EuroPeer. Ich engagiere mich, weil sich alle engagieren. Im Türkischen bedeutet mein Name der, der anderen gute Laune macht. Das ist meine Danksagung an Europa.

Melih Özkardes war 2005/06 im EFD in Erfurt und Würzburg.

Regine Bischof (23) aus Bremen

Anzukommen in Deutschland ist mir nach meinem Jahr als Europäische Freiwillige schwergefallen. Mir fehlte das Gefühl der Sicherheit, vermutlich deshalb habe ich mich auch zunächst nicht getraut, mein Wunsch-Studium aufzunehmen. Ich war nicht mutig genug, obwohl mir eigentlich klar war, wohin ich will. Im EFD war mir das auch klar, da musste ich mich durchschlagen. Das hat geklappt.

Man kann sich immer irgendwie durchschlagen, auch wenn man für den Moment nicht weiß wie es weitergeht. Es geht weiter. Jede Zeit die schwerfällt bringt einen weiter, indem man sich damit auseinandersetzt. Oft merkt man das erst im Rückblick. Vor zwei Jahren hatte ich mein Comeback und danach ein „Loch“. Es hat zwei Semester gebraucht, bis ich doch mein Wunschfach studiert habe. Ich musste darüber nachdenken, ob es ok ist wenn ich mich selbstverwirkliche oder ob Sicherheit wichtiger ist. Eigentlich paradox.

Mitgenommen aus dem EFD habe ich das Interesse an politischen Fragestellungen, das war eine Zeit, in der sich jeder für meine Meinung interessierte. Als EuroPeer erlebe ich gerne, welche Energie die Comeback-Teilnehmer aus ihrem EFD mitbringen und wie sie ihre Erfahrungen bewegen. Ich weiß noch wie das bei mir war aber inzwischen habe ich mehr Abstand.  

Regine Bischof war 2011/12 im EFD in Griechenland.

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Die Protokolle sammelte Dr. Tanja Kasischke für JUGEND für Europa.

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