21.12.2009

"Erfahrungen der Träger einbauen" - Stimmen vom Informations- und Beratungstag

"Neue Perspektiven" – so lautet der Name des Projekts, mit dem JUGEND für Europa benachteiligte Jugendliche verstärkt in das europäische Jugendprogramm einbeziehen will. Im Fokus dabei: der Europäische Freiwilligendienst. Welche Erwartungen, Möglichkeiten und Sorgen haben Träger der Jugendsozialarbeit und der Jugendberufshilfe bei dieser Form der Zusammenarbeit? Marco Heuer hat nachgefragt.

Interviews mit Ken Kupzok vom Friedenskreis Halle e.V., mit Frank Dehring von WABE Waldkirch, mit Andrea Klar vom Berufsausbildungszentrum Selbelang, mit Monika Rumsauer von Together e.V. sowie mit Kerstin Osanu vom Bildungsnetzwerk Magdeburg.

Herr Kupzok, sie sind Bildungsreferent beim Friedenskreis Halle e.V.. Ihr Verein beschäftigt sich neben der lokalen friedenspolitischen Arbeit und Projekten der Friedensbildung auch mit den so genannten Friedensdiensten – der Aufnahme und Entsendung von Freiwilligen aus Europa. Wie gefällt Ihnen die Idee, künftig mehr sozial benachteiligte Jugendliche ins Ausland zu schicken?

Die Verbindung von internationalem Freiwilligendienst und sozial benachteiligten Jugendlichen ist bei uns auf reges Interesse gestoßen. Wir führen schon Bildungsprogramme mit langzeitarbeitslosen Jugendlichen im ländlichen Raum durch. Wir merken aber, dass es schwierig ist, zu dieser Zielgruppe einen Zugang herzustellen.
Wichtig ist: Die Jugendlichen müssen erst einmal sensibilisiert werden, bevor man sie mit dem Thema "Entsendung ins Ausland" konfrontiert. Vor diesem Hintergrund hat sich das Modellprojekt "Neue Perspektiven" für uns sehr interessant angehört.

Trotzdem sagen Sie, dass das Projekt nachgebessert werden muss. Was ist Ihre Hauptkritik?

Man sollte nicht davon ausgehen, dass sozial benachteiligte Jugendliche ohne weiteres in einen Langzeitfreiwilligendienst geschickt werden können. Wir denken da eher an eine kürzere Zeitspanne, vielleicht ein bis drei Monate. Gerade Jugendliche aus dieser Zielgruppe tun sich schwer damit, sich auf neue Strukturen einzulassen. Ihre Bereitschaft, für eine vergleichsweise lange Zeit ins Ausland zu gehen, ist sicherlich nicht so ausgeprägt. Man kann ja verlängern, wenn es gut läuft. Aber für den Anfang sollte die Zeit überschaubar bleiben.

Sehen Sie sonst noch Verbesserungsbedarf?

Ja. Es gibt so manche strukturelle Fragen, die noch ungeklärt sind. Ich weiß beispielsweise nicht, wie der EFD im Zusammenspiel mit Unterstützungsleitungen der Arbeitsagentur funktioniert. Überhaupt sollte das Thema "Aufwand" stärker beleuchtet werden. Es kostet mehr Zeit, die Jugendlichen sorgfältig auszuwählen. Die Vermittlung zu Partnern vor Ort ist schwieriger, die Betreuung ist arbeitsintensiver. Ich will nicht sagen, dass man es deshalb nicht machen soll. Im Gegenteil. Nur ist das eine völlig andere Qualität, als wenn ich einen interessierten Jugendlichen vor mir habe, der sagt: Ich möchte auf jeden Fall nach Italien.

Sie wünschen sich auch bürokratische Erleichterungen?

In der Tat. Grundsätzlich sollten mehr Fördermittel zur Verfügung gestellt werden, die man auch leichter abrufen kann. Einen fünfstündigen Einzelfallbericht könnte man sich dann sparen. Die Kriterien sind schließlich bekannt.

Wie fällt Ihr Fazit zu dem Modellprojekt bislang aus?

Zunächst mal ist es lobenswert, dass die Erfahrungen der einzelnen Träger mit der Zielgruppe gesammelt werden. Das zeigt, dass es ein ernstes Interesse an dem Programm gibt. Trotzdem hoffe ich, dass unsere Verbesserungsvorschläge auch dazu beitragen, das Projekt weiterzuentwickeln.
Beim EFD mit benachteiligten Jugendlichen warten wir zwar erst einmal ab. Wir sind aber auch so nicht untätig. Derzeit basteln wir an einem neuen Konzept für die Begleitseminare. Wie sind der Meinung, dass man benachteiligte Jugendliche nicht einfach so dort hineinstecken sollte. Da sollten uns schon ein paar andere Ideen einfallen. 

Mehr Informationen über den Friedenskreis Halle e.V. gibt es unter www.friedenskreis-halle.de.

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