"Das bringt einen alles weiter"

Jugendinitiativen bringen Europa vor die Haustüre. Jugendliche und junge Erwachsene haben die Möglichkeit, in ihrem eigenen Ort ihre eigenen Projekte mit Unterstützung durch JUGEND IN AKTION umzusetzen. Bedingung: Es sind ihre eigenen Projekte und sie sind verantwortlich für die Organisation und Durchführung.

Jugendinitiativen fördern die Kreativität und das Unternehmertum von jungen Erwachsenen, wie das Beispiel vom "Festival de Colores" aus Jena zeigt.

Alljährliche Kulturwoche - Festival de Colores in Jena

In Jena stellen Studenten seit sechs Jahren das "Festival de Colores" auf die Beine, 2009 mit dem Schwerpunkt Südosteuropa. Die Balkanregion ist den meisten Deutschen eher unbekannt, obwohl Länder wie Slowenien, Bulgarien oder Rumänien längst Mitglied der Europäischen Union sind. Die jungen Macher des "Festival de Colores" hatten die fünfte Auflage ihrer Kulturwoche unter das Motto "Reise in den Balkan" gestellt.

In Konzerten, Lesungen, Fotoausstellungen, Filmabenden, Vorträgen und Festen konnten sich die Besucher Südosteuropa über verschiedene Ansätze nähern. Im Vordergrund stand dabei der Anspruch, auf die konfliktreiche, aber auch sehr vielseitige Region aufmerksam zu machen, das Wissen der Besucher zu erweitern und gängige Klischees auf den Prüfstand zu stellen.

Ohne Vorurteile aufeinander zugehen

"Viele Leute glauben, auf dem Balkan gebe es noch immer Unruhen, und man könne da nicht hinreisen", hat Anne Hempel vom "Festival de Colores"-Team festgestellt. "Wenn Sie es aber täten, würden sie wunderbar nette Menschen und eine tolle Natur entdecken."

Die 25-Jährige kennt die Region gut: Zum Europäischen Freiwilligendienst war sie in Slowenien und hat dort mit Flüchtlingen gearbeitet. In Mazedonien, Serbien und Kosovo war die Hobby-Fotografin mit der Kamera unterwegs. Ihre Erlebnisse auf der Reise und die Schicksale der Menschen haben sie nicht mehr losgelassen - folgerichtig studiert sie jetzt in Jena Südosteuropastudien.

In die Organisation des "Festival de Colores" stieg sie ein, weil der Balkan-Schwerpunkt sie reizte und sie mit ihren Fotos aus der Region, die in einer Ausstellung beim Festival zu sehen waren, etwas beizutragen hatte.
So geht es den meisten, die sich engagieren: Sie lassen sich vom Thema des nächsten Programms anlocken, das bereits kurz nach Abschluss eines Festivals per Abstimmung festgelegt wird.

Vom ersten Schwerpunkt Lateinamerika ist noch der Name übrig; es folgten Tage der Frankophonie, Portugiesisch in aller Welt und Afrika. Mit dem Fokus auf den Balkan wollten die Studenten das Festival wieder nach Europa holen.

Event-Organisation vom Band-Booking bis zur Security

Wie Anne, die auch in diesem Jahr beim Festival mit dem Thema Naher Osten wieder mitmischt, bleiben viele dann weiter dabei. Denn die Vorbereitung des vielseitigen Programms bedeutet nicht nur ein Jahr lang jede Menge Arbeit, sondern auch Erfahrungen, die sich später vielleicht im Beruf oder privat als wertvoll erweisen. Zur inhaltlichen Planung kommen praktische Details, die es abzuklären gilt.

"Es reicht nicht, eine Band zu finden und einen Ort, wo sie auftreten kann", weiß Anne inzwischen. Jemand muss die Veranstaltung bei der Stadt anmelden und einen Security-Dienst anheuern, Eintrittskarten müssen verkauft, Flyer verteilt werden. Die Arbeitsgruppe Literatur stöberte auf der Leipziger Buchmesse nach Neuerscheinungen südosteuropäischer Autoren, das Vorträge-Team betreute den mazedonischen Botschafter, der zum EU-Beitrittsprozess seines Landes referierte.

"Das bringt einen alles weiter", findet Anne.
Und es motiviert, wenn das Programm ankommt. Alle Veranstaltungen waren sehr gut besucht, häufig ausverkauft. Vor allem die Filmreihe, die Lesung mit Roma-Autor Jovan Nikolic, das Sonntagsfrühstück mit Spezialitäten vom Balkan und das Familienfest "Balkanica!" mit vielen Kinderaktivitäten vom Länderpuzzle bis zum Folkloretanz stießen auf großes Interesse und erreichten Besucher verschiedenen Alters.

Das Konzert der rumänischen Blasmusikband "Fanfara Kalashnikov" und die Open-Air-Party zum Abschluss des Familientags kamen so gut an, dass das Balkan-Fieber schließlich alle packte: "Selbst die Mitglieder des Orga-Teams, die anfangs etwas skeptisch gegenüber dem Thema Balkan waren, sind auf einmal alle nach Südosteuropa in den Urlaub gefahren", berichtet Anne.

Jugendinitiativen

Junge Menschen, die sich in ihrem lokalen Umfeld engagieren, können über das EU-Programm JUGEND IN Aktion Unterstützung für eigene Projekte beantragen. Dazu müssen sie nicht als Verein organisiert sein. Informelle Gruppen sind ausdrücklich als Antragsteller erwünscht. Die Jugendlichen verwalten ihr Projekt selbst und arbeiten eigenständig.

Mehr zu den Jugendinitiativen unter
www.machwasdraus.de.