Mit einem Lächeln nach Hause
Engagiert für europäischen Austausch: Karsten Lucke. (Foto: privat)Was macht man eigentlich bei einer Jugendbegegnung? Wir fragten Karsten Lucke, Studienleiter im Europa-Haus Marienberg.
Jugendbegegnung im Europa-Haus – paukt man da eine Woche lang das Einmaleins der EU-Politik?
Die Europäische Integration ist durchaus häufig ein Programmpunkt bei unseren Begegnungen, weil wir beobachten, dass diese Grundlagen im Sozialkundeunterricht an der Schule meist zu kurz kommen. Aber wir betreiben keine trockene Institutionenkunde, und von Pauken kann nicht die Rede sein. Wir möchten den Jugendlichen die vielfältigen Möglichkeiten zeigen, die Europa ihnen bietet.
Wir greifen aktuelle Themen auf, zum Beispiel die Klimadebatte oder politische Beteiligung von Jugendlichen. Und natürlich geht es bei unseren Jugendbegegnungen immer auch um Völkerverständigung und interkulturelles Verstehen, zum Beispiel in Diskussionen oder auf internationalen Abenden. Bei allem arbeiten wir grundsätzlich teilnehmerzentriert.
Teilnehmerzentriert, das bedeutet?
Kein Frontalunterricht, stattdessen erarbeiten die Jugendlichen die meisten Sachen selbst – in Workshops, Kleingruppen, Lernspielen. Die Gruppenleiter dürfen hier und da helfen, aber am Ende präsentieren die Jugendlichen ihre Ergebnisse selbst. Fehler machen ist erlaubt, das ist oft eine gute Möglichkeit, eigene Stärken und Schwächen zu erkennen und sich zu verbessern.
Sich vor eine Gruppe zu stellen und in einer Fremdsprache vorzutragen, ist eine sehr wertvolle Lernerfahrung, die Jugendliche nicht häufig machen können. Vor Ort merkt man ganz intensiv, was sich da in kurzer Zeit bei den Jugendlichen bewegt.
Welche Länder treffen auf Ihren Begegnungen zusammen?
Wir haben Partner quer über den Kontinent, einen besonderen Draht haben wir zu Mittel-Ost-Europa: Von Litauen bis Slowenien ist alles dabei. Oft sind es Schulen, mit denen wir zusammenarbeiten – oder andere Europa-Häuser, also unsere Schwesterorganisationen im Ausland. Wir bauen unsere Kontakte stetig aus – die Mund-zu-Mund-Propaganda funktioniert erstaunlicherweise auch über nationale Grenzen hinweg. Neulich wurden wir auf einer Konferenz in Polen weiterempfohlen und haben nun einen Partner in einer ganz anderen Woiwodschaft dazu gewonnen.
Welche Rolle spielt die Förderung durch JUGEND für Europa?
Das JUGEND bzw. JUGEND IN AKTION-Programm passt ganz wunderbar zu unserer Struktur, und wir nutzen es seit vier Jahren, vor allem bei den internationalen Begegnungen mit Teilnehmern aus mindestens vier Ländern.
Nicht jeder unserer Anträge kommt durch, wir sind ja nicht die einzigen. Aber es gelingt uns, jedes Jahr mindestens zwei Begegnungen im Rahmen des Programms zu organisieren. Das ist eine sehr wichtige Grundfinanzierung.
Wie sehr lassen sich Sprach- und Kulturbarrieren durch eine Begegnung wirklich überwinden?
Sprachprobleme lösen Jugendliche in den meisten Fällen ganz von selbst. Irgendwie verständigt man sich schon. Und was die kulturellen Unterschiede betrifft: Oft stellen Jugendliche zum ersten Mal fest, dass sie so unterschiedlich gar nicht leben. Die überraschenden Gemeinsamkeiten - im Schulalltag, in der Freizeit, in den Geschichten, die Jugendliche sich erzählen – lösen oft die größten Aha-Erlebnisse aus. Man lernt sich kennen und schaut über den Tellerrand hinaus.
Wie messen Sie die Erfolge Ihrer Arbeit?
Das Feedback unserer Partner ist sehr wichtig. Bisher waren alle, die einmal dabei waren, begeistert und viele wollen immer wieder kommen. Am meisten zählt aber, was die Jugendlichen denken. Sensibilisierung für andere Kulturen und Verständigung über die europäischen Nationalgrenzen hinweg ist oberstes Credo unserer Arbeit.
Neulich war ein Mädchen aus Polen bei uns zu Gast, das anfangs überhaupt nicht kommen wollte, weil sie ein schlechtes Bild von Deutschland hatte. Am Ende der Woche hatte sich ihre Meinung um 180 Grad gedreht. Da bin ich mit einem breiten Lächeln nach Hause gegangen.
Mehr Informationen zu Jugendbegegnungen: www.jugend-in-aktion.de/aktionsbereiche/jugendbegegnungen/







