Mehr Mobilität für junge Freiwillige
Die Mobilität europäischer Bürger und Bürgerinnen ist ein Kernstück der europäischen Werte und ist im Grundsatz der Freizügigkeit von Personen in Artikel 18 EG-Vertrag verankert. Sie stand auch am Anfang der Aktivitäten der Europäischen Union (EU) für Jugendliche. Seit 20 Jahren gibt es EU-Programme für Jugendliche, die auf einen Austausch Jugendlicher in der EU gerichtet sind. Die seit 2001 bestehende jugendpolitische Zusammenarbeit auf EU-Ebene fördert diesen Aspekt ebenfalls. Derzeit bereitet die europäische Kommission ein Grünbuch zur Mobilität junger Menschen vor. Mit der Annahme wird vor dem Sommer 2009 gerechnet.
Im Bereich der freiwilligen Aktivitäten Jugendlicher ist es bisher insbesondere der Europäische Freiwilligendienst (EFD)[1], sowie seit 2008 auch das Projekt Amicus[2], die es Jugendlichen ermöglichen, sich in anderen Ländern freiwillig zu engagieren. Auf politischer Ebene förderten die Ratsentschließungen von 2004[3] und 2007 dieses Bestreben. Seit 2008 gibt es dafür jedoch ein spezielles Instrument, nämlich eine Ratsempfehlung.
Eine europäische Mobilitätsempfehlung
Die Europäische Kommission ist von der Notwendigkeit einer stärkeren Mobilität junger Freiwilliger überzeugt. Deshalb hat sie im Juli 2008 den Vorschlag für eine Ratsempfehlung über die europaweite Mobilität junger Freiwilliger[4] vorgelegt. Dieser Vorschlag wurde vom Rat der Jugendminister der EU in der Ratsempfehlung über die Mobilität junger Freiwilliger innerhalb der Europäischen Union vom November 2008[5] aufgegriffen. Darin einigten sich die Jugendminister auf eine stärkere grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen den zivilgesellschaftlichen und staatlichen Stellen, die Freiwilligentätigkeiten in den verschiedenen Mitgliedstaaten der EU organisieren. Die Jugendminister haben im Wesentlichen folgenden Maßnahmenkatalog angenommen:
- Verbesserung des Kenntnisstandes über grenzüberschreitende Freiwilligentätigkeiten
- Schaffung von Möglichkeiten für grenzüberschreitende Freiwilligentätigkeiten Jugendlicher
- Sicherstellung von Qualität durch Selbstbewertungsinstrumente von Organisationen, die freiwillige Tätigkeiten anbieten
- Anerkennung der durch die Freiwilligentätigkeiten erreichten Lernergebnisse durch Instrumente wie Europass und Youthpass
- Förderung grenzüberschreitender Mobilität von Jugendarbeitern und in Jugendorganisationen aktiven Jugendlichen
- Erleichterung des Zugangs zu Freiwilligentätigkeiten für benachteiligte junge Menschen.
Die Umsetzung der Ratsempfehlung liegt in den Händen der Mitgliedstaaten. Nichtregierungsorganisationen kommt dabei ebenfalls eine wichtige Rolle zu. Die Kommission unterstützt die Bemühungen unter anderem durch die Einsetzung einer Expertengruppe und die Entwicklung eines Freiwilligen-Jugendportals. Die tschechische Ratspräsidentschaft hat durch die zeitnahe Organisation einer Konferenz[6] im März 2009 einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung geleistet.
Anerkennung der Freiwilligentätigkeit
Wie ausgeführt wurde, ist die Anerkennung der durch das freiwillige Engagement Jugendlicher erworbenen Fähigkeiten ein wichtiger Bestandteil der Ratsempfehlung über die europaweite Mobilität junger Freiwilliger. Die EU ist schon seit Jahren bemüht, eine bessere Anerkennung der Aktivitäten junger Freiwilliger sicherzustellen. Täglich engagieren sich tausende Jugendliche überall in der EU freiwillig für andere. Ihr Beitrag zu unserer Gesellschaft ist in jeder Hinsicht, auch sozial und ökonomisch, bedeutend. Daher ist es sehr wichtig, diesen Beitrag nicht nur sichtbar zu machen, sondern auch das Engagement dieser jungen Menschen anzuerkennen. Eine offizielle Anerkennung der von ihnen erbrachten Leistung und der durch die Freiwilligentätigkeit erworbenen Fähigkeiten könnte ihnen helfen, leichter einen Arbeitsplatz zu finden. Dieser Aspekt ist in Zeiten hoher Jugendarbeitslosigkeit, ökonomischer Unsicherheit und finanzieller Krise wichtiger denn je, ebenso wie der solidarische Beitrag, den die Freiwilligen leisten. Auf europäischer Ebene trägt vor allem die vom SALTO Training and Cooperation Resource Centre und der Deutschen Agentur des EU-Jugendprogramms unterstützte Entwicklung von Youthpass für das Programm JUGEND IN AKTION sowie die Weiterentwicklung von Europass zu einer europaweiten kohärenten Anerkennung bei.
Europäische Beispiele guter Praxis
In diesem Zusammenhang ist es interessant, einen vergleichenden Blick auf Instrumente der Anerkennung in den Mitgliedstaaten der EU zu werfen. Im Analysebericht der Europäischen Kommission über freiwillige Aktivitäten Jugendlicher[7] vom September 2007 finden sich einige interessante Beispiele[8]. In einigen Mitgliedstaaten erhalten junge Freiwillige Zertifikate oder andere Dokumente, so zum Beispiel
- in Finnland, wo das „Recreational Activity Study Book" (Studienbuch über Freizeitaktivitäten) der Jugendakademie einen Überblick über die Fähigkeiten und Lernerfahrungen Jugendlicher gibt.
- Frankreich hat 2005 den „Passeport de l'engagement" (Engagement-Reisepass) im Rahmen des Programms „Envie d'agir" (Lust etwas zu tun) entwickelt, der Jugendlichen bei Jobinterviews hilfreich sein soll.
- Österreich hat mit Hilfe der Wirtschaftskammer und des Arbeitsmarktservices einen Freiwilligen-Pass entwickelt, der die durch die Freiwilligentätigkeit erworbenen Fähigkeiten und Kompetenzen anerkennt.
- Italiens nationale Beobachtungsstelle für Freiwilligentätigkeit hat im Rahmen einer Konferenz junge Freiwillige eingeladen, eine Charter zu Jugend und Aktive Bürgerschaft zu entwickeln. Die Jugendlichen nützten die Gelegenheit, um festzuhalten, wie sie sich eine Anerkennung von freiwilligem Engagement vorstellen und wie dieses besser unterstützt werden könnte.
- Deutschland hat sein Anerkennungsinstrument „Nachweise International" ausdrücklich als Teil eines europäischen Prozesses zur Stärkung der Anerkennung des nicht-formalen Lernens, und insbesondere der Freiwilligentätigkeit im Jugendbereich erklärt.
Diese Beispiele guter Praxis zeigen, dass Mitgliedstaaten die Anerkennung von Freiwilligentätigkeiten ernst nehmen und kontinuierlich weiterentwickeln. Eine Übersicht über die Situation der freiwilligen Aktivitäten Jugendlicher bietet das European Knowledge Centre for Youth Policies (Europäisches Wissenzentrum für Jugenpolitiken), das die Europäische Kommission und der Europarat im Rahmen ihrer Partnerschaft im Jugendbereich entwickelt haben[9].
[2] Amicus ist ein europäisches Pilotprojekt zur Förderung grenzüberschreitenden freiwilligen Engagements Jugendlicher. Eine Ausschreibung erfolgte 2008, eine weitere ist für 2009 geplant.
[3] Entschließung des Rates und der im Rat vereinigten Vertreter der Regierungen der Mitgliedstaaten über gemeinsame Zielsetzungen für die Freiwilligentätigkeit von Jugendlichen, 13996/04, vom 15. November 2004 und Entschließung des Rates zur Freiwilligentätigkeit von jungen Menschen, 14427/1/07, vom 27. November 2007
[4] KOM(2008) 424 endgültig, vom 3. Juli 2008
[5] 14825/08, vom 18. November 2008
[7] Analysis of national reports from the Member States of the European Union concerning the implementation of the common objectives for voluntary activities of young people, COM(2007) 498 final, of 5 September 2007. Dieser Bericht kann auf http://ec.europa.eu/youth/ abgerufen werden.
[8] Die Auswahl der Beispiele für diesen Artikel erfolgt rein themenbezogen und stellt in keineswegs eine Reihung oder Wertung dar. Durch die vorgegebene Textbeschränkung ist es leider nicht möglich, Beispiele für alle Mitgliedstaaten anzuführen. Festgehalten wird jedoch, dass alle Mitgliedstaaten über gute Praktiken im Bereich Freiwilligenaktivitäten Jugendlicher verfügen.



