Jugendinitiativen - Europabüro in Dietzenbach
Dietzenbach in Hessen ist jung. Erst 1970 erhielt der Ort seine Stadtrechte und diese Vergabe resultierte aus einer rasanten Bevölkerungsentwicklung. Noch 1950 war Dietzenbach lediglich ein kleines Örtchen mit nicht einmal 5.000 Einwohnern. 2004 dagegen leben 35.000 Menschen in Dietzenbach und sie stammen aus 115 verschiedenen Nationen.
Von den Menschen, die in Dietzenbach wohnen, haben ungefähr 30% einen Migrationshintergrund. "Viele Jugendliche kämpfen mit ihrer Identitätsbildung und ihrer Stellung in der deutschen Gesellschaft", weiß Cengiz Hendek. Er leitet das Projekt der Jugendinitiative "Zusammenleben der Kulturen", die in Dietzenbach ein Europa-Büro für Jugendliche eingerichtet hat. Und er sagt: "Das Europäische Bewusstsein existiert fast überhaupt nicht. Dabei ist es mit Blick auf die Zukunft wichtig, die Jugendlichen für Europa zu sensibilisieren."
Die Probleme liegen aber erst einmal vor Ort. Warum gerade Europa eine Lösung bieten soll, bedarf einer Erklärung. Das Europa-Büro setzt bei der Eigeninitiative an. Gerade türkische Jugendliche besitzen aufgrund den Beitrittsverhandlungen der Türkei mit der EU ein Interesse an der europäischer Politik. In der Schäfergasse 20, dort wo das Europa-Büro seinen Sitz hat, entsteht in eigenständiger Recherchearbeit ein "Leitfaden zu Europa". In möglichst einfacher Sprache sammelt er Wissenswertes zur Europäischen Union. Verteilt wird er an die Schulen in der Umgebung.
Wissen über Europa zu sammeln, ist das eine, der interkulturelle Austausch, der vom Projekt ausgeht, das andere. Das Europa-Büro bietet besonders Jugendlichen aus sozial schwächeren Vierteln eine Möglichkeit, in Kontakt zu kommen mit Leuten außerhalb ihres alltäglichen Bekanntenkreises. Ein solcher Austausch ist wichtig, um die Vorurteile abzubauen, die längst durch Abgrenzung entstanden sind: Mit denen da, wollen wir nichts zu tun haben.
"Die älteren Jugendlichen, die in den Vierteln leben, die als soziale Brennpunkte bezeichnet werden, haben teilweise schon resigniert", sagt Cengiz Hendek. "Unser Ziel ist es daher, die Jugendlichen möglichst früh zu motivieren. Sie sollen begreifen, dass Änderungen in der Gesellschaft möglich sind. Nur dass man dafür auch etwas tun muss." Am besten gemeinsam mit anderen.
Das Projekt stieß auf große Begeisterung. Der Jugendinitiative gelang es, verschiedene Politiker zu Informationsveranstaltungen nach Dietzenbach zu holen, darunter die Europa-Abgeordneten Thomas Mann und Udo Bullmann. Ein Dokumentarfilm über das Europa-Büro entsteht derzeit.
Weitere Informationen zum Projekt gibt es auf der externen Internetseite www.zusammenleben-der-kulturen.de/jugendbuero/.
(Andreas Klünter)







