EFD - Das neue Netzwerk

Schön und gut ist die Vorstellung als Freiwillige ins Ausland zu gehen. Doch dann kommt ein erster Dämpfer: Ein siebenseitiges Motivationsschreiben wartet darauf für das Aufnahmeprojekt ausgefüllt zu werden. Und die Fragen sollen auch noch auf Englisch beantwortet werden. Und während man über dem Schreiben grübelt, schleichen sich die Bedenken ein: Ist man überhaupt in der Lage, so ein Abenteuer einzugehen?

Als der Gedanke an einen längeren Auslandsaufenthalt bei Claudia konkret wurde, stand sie beim JugendsozialWerk Nordhausen e.V. in einem befristeten Arbeitsverhältnis. Da das JugendsozialWerk Nordhausen e.V. selbst Entsende- und Aufnahmeorganisation ist, wurde ihr die Entscheidung, einen Europäischen Freiwilligendienst zu wagen, erleichtert. Doch die Hürden, die sich nach ihrer Entscheidung aufbauten, musste Claudia selber nehmen.

Dazu gehörte auch Claudias anfänglich frustrierende Suche nach einem Aufnahmeprojekt. „Häufig kam auf meine Bewerbung keine Reaktion, was schlimmer ist als eine Absage zu erhalten, weil ich mir auf die offenen Bewerbungen immer noch Hoffnungen machte“. Ihr Wunsch nach Skandinavien zu gehen, scheiterte. Daher entschloss sie sich, ihre Internetrecherche auf alle Länder auszudehnen. „Eine sehr gute Entscheidung“, wie sich herausstellte. In Belgien wurde Claudia bei der Aufnahmeorganisation AFS Lentekind fündig.

Es waren aber vor allem die persönliche Bedenken, die sie besiegen musste. Claudia wusste, dass es nicht so einfach sein würde, sich in einer komplett anderen Umgebung zurechtzufinden. Die Angst, den Alltag in einer fremdsprachigen Umgebung nicht meistern zu können, ließ sie am Projekt zweifeln. „Immer dann, wenn ich mir ehrlich und realistisch Gedanken darüber machte, welche Probleme dort im schlimmsten Fall auftauchen könnten, stand ich kurz davor, es bleiben zu lassen“, räumt Claudia ein.

Ein Projektvorbereitender Besuch bot ihr im Vorfeld ihres Freiwilligendienstes die Möglichkeit, ihre zukünftige Gastfamilie sowie ihren Tutor und ihre Kollegen kennen zu lernen. Doch die Bedenken vor dem schlimmsten Fall schwanden erst in dem Moment, als sie ihren Freiwilligendienst begann.

Am Ende von Claudias Freiwilligendienst sind die Ängste verschwunden. Ein unglaublich tolles Gefühl sei es gewesen, sich im Ausland ein eigenes soziales Netz aufzubauen, sagt sie. "Du gehst irgendwohin einkaufen und begegnest plötzlich Menschen, die dich fragen, wie es dir geht. Du wirst im Kollegenkreis als vollwertiges Teammitglied aufgenommen mit denselben Rechten und Pflichten und entwickelst neue Freundschaften zu anderen Freiwilligen, die auch das Ende des Freiwilligendienstes überdauern."

Claudia, die eine Ausbildung zur Bürokauffrau absolviert hat, war nach ihrem Auslandsaufenthalt bei ihrer Jobsuche in Deutschland erfolgreich. Viel habe dies mit ihrer neuen Lebenseinstellung zu tun, sagt sie. „Ich glaube, dass mein gestiegenes Selbstvertrauen nicht unwesentlich dazu beigetragen hat, dass gerade ich unter den Bewerbern ausgewählt wurde. Den Menschen trete ich jetzt viel offener gegenüber.“

(Andreas Klünter)